Künstliche Intelligenz (KI) wird zunehmend als Schlüsseltechnologie zur Umsetzung der Sustainable Development Goals (SDGs) präsentiert. Damit kehren alte Vorstellungen von Entwicklung im Globalen Süden in neuer Form zurück. MIRIAM FAHIMI warnt vor neuen Plattformabhängigkeiten und sozial-ökologischen Kosten.
„In manchen Fällen ist KI nicht nur eine Lösung. Sie ist die einzige Lösung, die wir haben“, sagt Juan Lavista Ferres, Leiter des AI for Good Lab von Microsoft, in einem Video. Das AI for Good Lab hat sich zum Ziel gesetzt „KI zu nutzen, um zur Lösung einiger der größten Herausforderungen der Welt beizutragen“ und ist nur ein Beispiel dafür, wie Big-Tech-Unternehmen den Einsatz von KI im Globalen Süden als Entwicklungsstrategie rahmen.
KI-Hype
Nicht nur Big-Tech-Unternehmen treiben die Erzählung von KI als modernen Fortschritt für das gute Leben voran. Auch der neueste SDG-Report der UN von 2025 prognostiziert einen positiven Einfluss von KI auf die 17 definierten Entwicklungsziele. Eine vielzitierte Studie des Ingenieurs Ricardo Vinuesa kam 2020 sogar zu dem Schluss, dass KI positive Auswirkungen auf insgesamt 134 der 169 Unterziele der SDGs haben könne. Auf der Hamburg Sustainability Conference 2025 erklärte Reem Alabali Radovan, deutsche Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, „dass die KI unserem Planeten und den Menschen nützt, vor allem auch jenen im Globalen Süden”. Im Anschluss rief die Konferenz in einer Erklärung Regierungen, NGOs, Unternehmen und Wissenschaft auf, “inklusive und nachhaltige KI zu stärken, lokale Innovationen zu fördern und sicherzustellen, dass Schwellen- und Entwicklungsländer von der digitalen Zukunft nicht ausgeschlossen bleiben”. Auch staatliche und EZA-Akteur_innen scheinen dem KI-Hype verfallen zu sein.
Alte Versprechen und zwei neue Probleme
Die Vorstellung, Technologien aus dem Globalen Norden ermöglichten wirtschaftliche Entwicklung im Globalen Süden, steht in einer längeren Tradition entwicklungspolitischen Denkens. Sie erinnert an modernisierungstheoretische Paradigmen der 1950er- und 1960er-Jahre, die Entwicklung als linearen Nachholprozess verstanden. Gesellschaften des Globalen Südens galten als „unterentwickelt“ und sollten durch technologische Innovation, Industrialisierung und westliches Expertenwissen an den vermeintlich fortgeschrittenen Globalen Norden herangeführt werden. Dieser verstand wiederum seine Aufgabe darin, eine solche aufholende Entwicklung durch Kredite oder Technologie zu unterstützen.
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