DORA MARĺA TÉLLEZ war Kommandantin der Sandinistischen Front in Nicaragua und ist heute Menschenrechtsaktivistin im Exil. Ein Gespräch über Frauen im bewaffneten Kampf, menschliche Brüche und das Risiko, nach Hause zurückzukehren.
Interview: ANDREEA ZELINKA
Die Sandinistische Nationale Befreiungsfront (FSLN) war eine bewaffnete Bewegung, die die 43 Jahre andauernde Diktatur von Anastasio Somoza stürzte und daraufhin als Partei bis 1990 in Nicaragua regierte. Warum haben Sie sich mit 19 Jahren der Front angeschlossen, und wie sind Sie zu einer der Top-Kommandantinnen geworden?
Ich bin der sandinistischen Bewegung beigetreten, weil ich überzeugt war, dass die Somoza-Diktatur nicht mit friedlichen Mitteln gestürzt werden könnte. Ich war mehrere Jahre lang in der Student_innenbewegung aktiv. Dann schloss ich mich der Front an und ging später in den Untergrund. Ich kämpfte an der Nordfront, mit Carlos Fonseca, in Granada und war bei der Besetzung des Nationalpalasts am 22. August 1978 in Managua dabei. Und dann war ich im Juni und Juli 1979 Anführerin des Aufstands in León.
Welche Rolle spielten Frauen in der sandinistischen Revolution? Was bedeutete es für Sie, als Frau Teil des bewaffneten Kampfes zu sein?
In der zweiten Hälfte des Jahres 1978 begann eine massive Integration junger Frauen in den bewaffneten Kampf. Tausende Frauen schlossen sich damals der Revolution an. Viele waren Teil der Führungsriege des Aufstands und auch Anführerinnen der Truppen. Wir waren keine Ersatzkraft, keine Nachhut, sondern standen an vorderster Front. Aber es war schwierig. Machistische Vorurteile existierten auch innerhalb der Sandinistischen Front. Vor 1978 war man der Ansicht, dass Frauen nicht in Kampf- oder Führungspositionen passten. Sexuelle Orientierungen, die von der heterosexuellen abwichen, waren damals negativ angesehen. Wir wurden überall schikaniert, in Matagalpa, wo ich aufgewachsen bin, und auch in León, an der Universität. Im Untergrund war es schwierig, irgendeine Art von Liebesbeziehung zu haben.
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