Globale Solidarität (175 / 2026)
Wo bleibt die globale Solidarität?
Editorial
Die internationale Entwicklungszusammenarbeit (EZA) ist in der Krise. Anfang 2025 hat die US-Regierung die Zerschlagung der Entwicklungsagentur USAID und eine drastische Kürzung der Mittel für die EZA und humanitäre Hilfe eingeleitet und damit eine bereits bestehende Dynamik weiter verstärkt: Auch europäische Länder wie Großbritannien, die Niederlande, Deutschland und Österreich haben ihre Mittel dafür stark gekürzt. Das Geld werde im eigenen Land gebraucht oder – wie im Fall Großbritanniens offen so kommuniziert – in Aufrüstung und Militarisierung verschoben. Gleichzeitig gehen die Kürzungen in der internationalen Hilfe Hand in Hand mit Einsparungen im Sozialbereich auch in den Geberländern selbst.
Kritik an EZA gibt es seit jeher: Werden dadurch Abhängigkeiten aufrechterhalten? Und: Muss das Ziel der „Hilfe“ nicht sein, sich selbst obsolet zu machen? Wer sich kritisch mit Entwicklung und globaler Ungleichheit beschäftigt, muss Widersprüche nicht nur aushalten, sondern auch weiterdenken. Ein abruptes Ende von Entwicklung kostet Menschenleben – und ganz besonders oft Frauenleben. Wenn etwa von heute auf morgen Kliniken geschlossen werden, lebensnotwendige medizinische Unterstützung fehlt und die Unterstützung für Frauen(rechts)organisationen und Gewaltschutzzentren gestrichen wird. Der globale Norden darf sich nicht so einfach aus der Verantwortung stehlen: EZA, die immer noch die Interessen des Nordens priorisiert, kann nicht als Korrektiv ungleicher internationaler Beziehungen funktionieren, sondern bleibt der sprichwörtliche Tropfen auf dem heißen Stein. Lösungsansätze und Alternativen, wie z. B. Steuergerechtigkeit, Schuldenschnitt, faire Handelsgesetze, Aussetzen von Patenten auf Medikamente, Degrowth, usw. gibt es viele – es ist an der Zeit, sie auch umzusetzen. Dafür müssen politische Räume einer solidarischen Weltgemeinschaft verteidigt werden. Die Autor_innen dieser Ausgabe geben Anregungen dazu. Es braucht kritische, feministische Interventionen in mediale Berichterstattung, um den kolonialen Blick auf Krisen und Kriege zu überwinden und den Widerstand und die Errungenschaften von Feminist_innen im Sudan, im Iran und in Rojava in den Fokus zu rücken.
Einen kämpferischen 8. März
wünscht
Bernadette Schönangerer
Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe sind in der Krise, weltweit wurden die Mittel dafür stark gekürzt. Ist dies das Ende der globalen Solidarität? In dieser Ausgabe fragen wir, wie es dazu kam und ob in der Krise auch eine Chance liegt, dass dekoloniale, feministische Kritik an „Entwicklung” und ihre Lösungsansätze und Alternativen endlich gehört werden. Wir möchten die globale Solidarität stärken und richten den Blick auf Widerstand und die Errungenschaften von Feminist_innen, etwa im Sudan, im Iran und in Rojava.