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Menschen wie wir

Ein Artikel von:
Marlene Wisskirchen
Thị Thanh Thảo TrầnLeykam  2026 Was bedeutet Heimat, wenn man zwischen zwei Ländern, Sprachen und Kulturen aufwächst? Dieser Frage geht Thị Thanh Thảo Trần in ihrem autobiographisch inspirierten Debütroman nach. Ihre Protagonistin Thảo verbringt ihre Kindheit auf einer Insel in Quảng Ninh, 1988 verlässt der Vater Mutter und Tochter und geht als Vertragsarbeiter in die DDR. Mit 13 folgt Thảo mit ihrer Mutter ihm in das wiedervereinigte Deutschland nach, dort wird auch die jüngere Schwester geboren. Diese Familienkonstellation und die unterschiedlichen Wege des Ankommens zeigen auf, wie sehr sich Lebensrealitäten und Zugehörigkeitsgefühle auch innerhalb einer Familie unterscheiden können. Der Roman spannt einen Bogen von 1988 bis 2020 und spielt zwischen Vietnam und Deutschland. Vergangenheit und Gegenwart sind dabei unauflöslich miteinander verwoben, das Erlebte nie abgeschlossen. Immerwiederkehrende Kindheitserinnerungen konturieren den Kontrast zwischen den Lebensrealitäten in Vietnam und Deutschland. Besonders eindrücklich wird dies, wenn die Autorin über Thảos Mutter schreibt, die sich im Zuge der Migration von einer lebensfrohen, selbstständigen und aufgeschlossenen Frau in Vietnam zu einer ermüdeten, unsicheren Person in Deutschland entwickelt. Ein schnörkelloser Stil und der genaue Blick für alltägliche Details lassen große Identitätsfragen greifbar werden. Der scheinbar nie abgeschlossene Prozess der Migration wird als Traum von einem besseren Leben und bittere Realität zugleich betrachtet.   Marlene Wißkirchen

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