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„Safe Spaces für Frauen gibt es nach wie vor“

Ein Artikel von:
Andreea Zelinka

Die Afghanistan Humanitarian Development and Disability Organization (AHDDO) setzt sich seit 2017 unter schwierigsten Bedingungen für Frauen und Menschen mit Behinderungen ein. Geschäftsführerin ZAHRA NOORULLHAQ erzählt, wie Frauen trotz der Taliban weiterhin zusammenkommen.

Interview: ANDREEA ZELINKA

Wer sind die Frauen, mit denen ihr zusammenarbeitet, und welche Programme setzt ihr um?

Wir arbeiten mit marginalisierten Frauen, darunter junge Frauen, Frauen mit Behinderungen sowie Frauen aus benachteiligten und einkommensschwachen Haushalten. Im Mittelpunkt stehen Interessenvertretung, Kompetenzförderung, sozioökonomische Stärkung und die Schaffung von Existenzgrundlagen für Frauen. Die Situation ist zwar äußerst restriktiv, jedoch nicht überall einheitlich. Arbeit, die von zu Hause aus verrichtet wird oder Frauen vorbehalten ist, gibt es weiterhin. Wir bieten Kurse für Schneiderei, Teppichweberei, Handwerk und Computer an. So unterstützen wir Frauen dabei, kleine Unternehmen zu gründen und finanziell unabhängig zu werden. Das stärkt ihr Selbstvertrauen und verringert ihre Isolation.

Wie ist die Situation von Frauen in Afghanistan gerade?

Die Lage ist sehr schwierig. Frauen sind mit erheblichen Einschränkungen konfrontiert. In vielen Fällen dürfen sie ihr Zuhause nicht ohne männliche Begleitung verlassen, und ihr Zugang zu Bildung und Arbeit ist äußerst begrenzt. Dies führt zu wirtschaftlicher Not, psychischer Belastung und sozialer Ausgrenzung.

Wo können Frauen zusammenkommen, sich verbinden oder sogar organisieren?

Safe Spaces für Frauen gibt es nach wie vor, nur sehr begrenzt und informell. Wir können Frauen in privaten Räumen zusammenbringen. Das erfordert jedoch oft sorgfältige Abwägung und in manchen Fällen die Genehmigung der örtlichen Behörden. In manchen Regionen nehmen Frauen auch an kleinen informellen Märkten teil, verkaufen ihre Waren über Frauennetzwerke oder männliche Familienangehörige, die als Vermittler fungieren. AHDDO konzentriert sich darauf, Einkommensmodelle zu schaffen, die es Frauen ermöglichen, ihre Fähigkeiten trotz der bestehenden Einschränkungen einzusetzen. In unserem Teppichwebprojekt waren alle Teilnehmerinnen und Ausbilderinnen Frauen, auch das Arbeitsumfeld war vollständig weiblich.

Warum sind Männer in Afghanistan, die nicht zu den Taliban gehören, so still?

Die meisten Männer befürworten zwar das Recht der Frauen auf Bildung und ihre Grundrechte, viele trauen sich jedoch nicht, sich öffentlich zu äußern, da sie schwerwiegende Folgen befürchten. Viele Personen, die ihre Unterstützung bekundet haben, wurden festgenommen oder inhaftiert, was zu noch größerer Angst und mehr Schweigen geführt hat.

Was ist nötig, um das Taliban-Regime zu überwinden?

Langfristige strukturelle Veränderungen, anhaltendes internationales Engagement und konsequenter Druck. Zivilgesellschaftliche Organisationen stellen eine der wenigen verbleibenden Hoffnungen für die Bevölkerung in Afghanistan dar und müssen gestärkt werden. Basisorganisationen unter der Leitung von Frauen müssen international finanziert werden.

Zahra Noorullhaq ist eine afghanische Frauenrechtsaktivistin und Direktorin von AHDDO. Sie engagiert sich in den Bereichen humanitäre Hilfe, Gleichstellung der Geschlechter, Inklusion von Menschen mit Behinderungen und wirtschaftliche Stärkung von Frauen.