Leys
AFRAPART: 2026
Diese EP startet mit einem Intro in Form einer Teleshopping-Moderation: Heute geht es um La Femme, die Frau – vielseitig, brillant, erschöpft. Die ironisch-kompromisslose Ansage gibt den Kurs der fünf Stücke vor. Leys bewegt sich mit ihrem französischen Post-Macho-Rap zwischen dichten Vokal-Klang-Wiederholungen, freien Reimkombinationen und urbanem Storytelling-Flow. Als Meisterin lyrischer Wortarrangements ist sie seit rund zehn Jahren freestylend aktiv. Ihre zweite EP ist inhaltlich, sprachlich und klanglich on point. Gesellschaftskritische Metaphern, Umschreibungen und Poesien gehen Hand in Hand mit konkreten, schnörkellosen Statements. Famme kritisiert Alltagsrassismus, prangert patriarchale Gewalt an und thematisiert Dating-Regeln zwischen Mansplaining und Manspreading.
Leys verwebt popkulturelle Anspielungen, wie einen O-Ton von Doechiis Dankesrede zu ihrem Grammy-Gewinn für das beste Rap-Album. Oder sie fügt an: «J’suis noire, la nature de mes cheveux n’est pas lisse – J’ai l’intelligence d’Angela Davis» (Ich bin Schwarz, meine Haare sind nicht glatt – Ich habe die Intelligenz von Angela Davis.) Mit dem Track „Black Woman“ setzt die Musikerin Idole und Vorbilder ins Zentrum. Sie rappt über ihre kongolesische und zentralafrikanische familiäre Herkunft sowie Selbstzweifel, Sensibilität und Solidarität. Das geschmeidige Werk ist kurz und randvoll.
Anna Ida Fierz