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Warum sie uns hassen

Ein Artikel von:
Alina Matt

Sexarbeitsfeindlichkeit
Ruby Rebelde
edition assemblage: 2025

Mit ihrer persönlichen „Liebeserklärung an die in Verruf geratene Selbstbezeichnung Sexarbeiter*in“, verstärkt Ruby Rebelde eine oft ungehörte Stimme im Diskurs um Sexarbeit. Sie berichtet von ihren eigenen Erfahrungen als Sexarbeiterin und macht die vielen Facetten der Stigmatisierung und Diskriminierung von Sexarbeit anhand von Beispielen erlebbar, etwa bei der Wohnungssuche oder beim Banktermin.

Sprache ist ein zentrales Handlungsfeld von Diskriminierung, daran erinnert uns Rebelde wiederholt, und zieht dabei Verbindungen zu Migration und Flucht. Populistische Debatten gegen Prostitution und Migration zielen letztlich darauf ab, Sexarbeitende und Geflüchtete aus unserer Gesellschaft zu drängen. Doch geht in der Abstraktion die Menschlichkeit verloren.

Sexarbeit wird auch in innerfeministischen Debatten kontrovers diskutiert. Argumente für den Schutz vor Gewalt treffen auf die Forderung nach Legalisierung von Sexarbeit, um würdige Arbeitsbedingungen zu schaffen. Während das Recht auf Selbstbestimmung für weiße, bürgerliche, cis Frauen selbstverständlich ist, endet dieses Recht für marginalisierte Gruppen dort, wo autoritäre Stimmen eine Grenze definieren. Der Diskurs wird über – statt mit – den Betroffenen geführt.

Die Autorin zeigt überzeugend, welche Rolle Sexarbeitsfeindlichkeit als Teil einer antifeministischen Bewegung spielt, die Vielfalt und Demokratie insgesamt bedroht.

Alina Matt

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