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Nichts weniger als eine komplett andere, freie Welt

Wie können Frauen sich international vernetzen und gemeinsam eine andere Welt aufbauen? Das Netzwerk WOMEN WEAVING THE FUTURE stellt die Idee des Demokratischen Weltfrauenkonföderalismus vor.

„Wir blühen auf, denn der Krieg kann unsere Wurzeln nicht zerstören.“ Unter diesem Motto fanden sich im Februar 2026 ca. 400 Frauen in Bogotá zusammen. Delegierte unterschiedlicher feministischer und Frauenbewegungen – vor allem aus Abya Yala1 und unter besonderer Vorreiterinnenrolle indigener Frauen – schufen Raum für Austausch und um gemeinsam Strategien zu entwickeln. Das Ziel der Konferenz – sie war unter anderem ermordeten Frauen wie Berta Cáceres, Julia Chuñil, Alina Sánchez (Lêgerîn), Bety Cariño, Sakîne Cansiz und Rosa Luxemburg gewidmet – war es, die kreative, revolutionäre Kraft diverser Frauenkämpfe von unten und über Grenzen hinweg zu bündeln und nicht nur Widerstand zu leisten, sondern nichts weniger als eine komplett andere, freie Welt aufzubauen.

Angesichts von Krieg, Vertreibung, Umweltzerstörung und Kommerzialisierung indigenen Wissens durch autoritäre Nationalstaaten und multinationale Konzerne diskutierten die Teilnehmer_innen Strategien der Selbstverteidigung und -organisierung. In den Worten der Abschlussdeklaration:

„Der Konföderalismus Kurdistans ebenso wie die Vielfalt der Formen, Wege und Projekte der Kämpfe der Völker in Abya Yala rufen uns dazu auf, den jahrtausendealten Widerstand fortzuführen, zu leben und unsere Kräfte zu organisieren. Wir sehen die Dringlichkeit, dem patriarchalen, extraktivistischen, kolonialistischen, kapitalistischen und genozidalen Krieg entgegenzutreten.“

Die Konferenz wurde von Organisationen, die sich als Teil des Network Women Weaving the Future (Netzwerk Frauen weben die Zukunft) verstehen, organisiert. Sie war die dritte große, jedoch die erste hauptsächlich regionale Konferenz des Netzwerks. Zuvor gab es internationale Zusammenkünfte in Frankfurt (2018) und in Berlin (2022), jeweils mit Hunderten Teilnehmer_innen.

Das Netzwerk selbst gründete sich 2018 auf der ersten Konferenz in Frankfurt. Vorreiterinnen aus der kurdischen Frauenfreiheitsbewegung präsentierten dort ihre Idee eines „Demokratischen Weltfrauenkonföderalismus“ als Perspektive für den gemeinsamen Kampf.

Von Kurdistan nach Abya Yala

Der Demokratische Konföderalismus ist ein antikolonialer Vorschlag der kurdischen sozialistischen Freiheitsbewegung nach Abdullah Öcalan. Er versteht sich als eine revolutionäre, nichtstaatliche Form gesellschaftlicher Organisation, die Grenzen überwindet und auf selbstverwalteten Kommunen, Räten, Kooperativen und Bildungsstrukturen aufbaut. In vielen Teilen Kurdistans haben die Menschen diese Organisationsform trotz Krieg, Vertreibung und Assimilationspolitik praktiziert und so Hunderte von selbstorganisierten Kommunen aufgebaut, in denen sich die konkret gelebte Lebensphilosophie des koordinierten Zusammenlebens in Autonomie zeigt. Das hat Menschen in der ganzen Welt inspiriert. Und nun reist dieser Vorschlag um die Welt.

Die heutige Form der revolutionären Frauenbewegung Kurdistans entstand aus dem nationalen Widerstand des kurdischen Volkes. In diesem Prozess wurden die Autonomie der Frauen und die Notwendigkeit, das Patriarchat zu überwinden, zu nicht verhandelbaren Grundprinzipien. Innerhalb der revolutionären Bewegung gibt es dementsprechend ein autonomes konföderales System von Frauen, das die Eigenständigkeit des Frauenkampfes sichert und verhindert, dass dieser als „Nebenwiderspruch“ marginalisiert wird.

Der Vorschlag des Weltfrauenkonföderalismus kommt explizit aus dem jahrzehntelangen antikolonialen Kampf der revolutionären kurdischen Frauenfreiheitsbewegung und gründet sich zugleich auf den historischen Erfahrungen und Ansätzen feministischer Bewegungen weltweit.

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