Multilateralismus von unten (176 / 2026)
Neue Chance für Multilateralismus?
Editorial
Internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen stehen zunehmend unter Druck. Während der Globale Süden immer noch auf vielen Entscheidungsebenen unterrepräsentiert wird, ziehen sich autoritäre Regierungen aus den Institutionen zurück. Unterschiedliche Maßstäbe bei der Anwendung des Völkerrechts verstärken den Vertrauensverlust.
In diesem Zusammenhang gewinnt die Idee eines Multilateralismus „von unten“ wieder an Bedeutung. Denn multilaterale Zusammenarbeit findet nicht nur zwischen Regierungen und in internationalen Organisationen wie der UNO statt, sondern auch in zivilgesellschaftlicher Kooperation, in transnationalen Netzwerken und (queer-)feministischen Bewegungen. Um ebendiese basisnahen, grenzüberschreitenden Formen der Zusammenarbeit geht es diesmal in unserem Schwerpunkt.
Kurz nach Erscheinen unserer letzten Ausgabe griffen Israel und die USA den Iran an. Bei den Militärschlägen wurde Ayatollah Khamenei getötet, doch das beendete die Repressionen gegen die iranische Opposition nicht – im Gegenteil: Die äußere Bedrohung durch den Krieg verschärfte die Lage der Menschen vor Ort zusätzlich. Über diese Entwicklungen sowie über feministische Ansätze, Multilateralismus „von unten“ neu zu denken und die Handlungsspielräume zivilgesellschaftlicher Akteur_innen zu stärken, sprachen wir mit der Politik-Analystin Barbara Mittelhammer.
Solidarität mit der vom Krieg betroffenen Zivilbevölkerung bedeutet auch: Solidarität mit Geflüchteten. Mit Aktivist_ innen von Afrique-Europe-Interact sprachen wir über die Selbstorganisierung von Migrant_innen, die spezifischen Erfahrungen von Frauen auf Migrationsrouten und die Folgen einer EU-Migrationspolitik, die ihre Grenzen zunehmend in afrikanische Staaten verlagert.
Das Netzwerk Women Weaving the Future skizziert die Idee eines Demokratischen Weltfrauenkonföderalismus, und damit den Versuch, abseits von patriarchaler Herrschaft, Nationalstaaten und multinationalen Konzernen nichts weniger als eine andere, freie Welt aufzubauen.
Unsere stellvertretende Obfrau Ulrike Lunacek unterstützte seit Juni 2025 als Sonderemissärin die Kandidatur Österreichs für einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat. In ihrem Beitrag zeigt sie auf, wie Reformen die Rolle der UNO in Friedensprozessen stärken könnten.
Durch den Schwerpunkt führen diesmal die Illustrationen der mexikanischen Künstlerin Dafne Moreno.
Eine inspirierende Lektüre
wünscht Bernadette Schönangerer
Multilaterale Zusammenarbeit findet nicht nur zwischen Regierungen und in internationalen Organisationen wie der UNO statt, sondern auch in zivilgesellschaftlicher Kooperation, in transnationalen Netzwerken und (queer-)feministischen Bewegungen. Um ebendiese basisnahen, grenzüberschreitenden Formen der Zusammenarbeit geht es diesmal in unserem Schwerpunkt.